Ravensburger übernimmt Steiff
18.06.2026
Der Spielehersteller Ravensburger steigt mehrheitlich beim Plüschtierhersteller Steiff ein. Damit rücken zwei der bekanntesten europäischen Spielwarenmarken eng zusammen. Für die Branche reiht sich der Deal in eine anhaltende Konsolidierungswelle ein und folgt nur kurz auf einen Zukauf von Ravensburger in der Schweiz.
Ravensburger erwirbt eine Mehrheit an der Margarete Steiff GmbH. Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird. Die Familie bleibt wesentlich beteiligt, Steiff soll weiterhin eigenständig am Sitz in Giengen an der Brenz (Baden-Württemberg) geführt werden. Zum Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen; die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.
Zur genauen Beteiligungshöhe gibt es unterschiedliche Angaben: Im manager-magazin-Bericht blieb sie offen, mehrere dpa-gestützte Meldungen nennen unter Berufung auf eine Steiff-Sprecherin einen Anteil von 60 Prozent (Familie behält 40 Prozent). Diese Zahl ist nicht offiziell bestätigt und sollte als Branchenangabe gelesen werden.
Was beide Seiten verbindet
Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt. Klassiker wie «Memory», «Das verrückte Labyrinth» oder «Fang den Hut», dazu das Lernsystem «Tiptoi» und die Kugelbahn «GraviTrax». Steiff gilt als Erfinder des Teddybären, produziert seit über 140 Jahren Plüschtiere und ist am «Knopf im Ohr» erkennbar.
Ravensburger-CEO Clemens Maier begründet den Schritt mit der emotionalen Stärke der Marke: Gründer Otto Maier habe Spielzeug «für Hirn, Hand und Herz» entwickeln wollen. Steiff stehe «in besonderer Weise für das Herz». Aus Sicht der Verkäuferseite war laut Frederik Reimann, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, entscheidend, Steiff in Hände zu geben, welche die Marke und ihre Geschichte respektieren. Steiff-Chef Frank Rheinboldt verweist auf den Rahmen, um internationale Potenziale gezielt zu nutzen.
Der Schweizer Bezug: NordSüd Verlag
Für den hiesigen Markt relevant: Die Steiff-Übernahme ist nicht Ravensburgers erster jüngerer Zukauf. Zuvor hatte sich das Unternehmen mehrheitlich am NordSüd Verlag beteiligt, dem grössten Schweizer Kinderbuchverlag, bekannt für Klassiker wie «Der Regenbogenfisch» und «Lars, der kleine Eisbär». Ravensburger baut damit sein Kinderbuchsegment aus und sichert sich Zugang zu etablierten Figuren. Zur Gruppe gehören bereits Marken wie der Holzeisenbahn-Hersteller Brio und der Spielkartenverlag F.X. Schmid.
Wirtschaftlicher Hintergrund
Der Einstieg fällt in eine Phase des Gegenwinds. Nach einem Rekordumsatz von 790 Mio. Euro 2024, getrieben vom Hype um das Sammelkartenspiel «Disney Lorcana», sank Ravensburgers Umsatz 2025 auf 742 Mio. Euro. Das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte zwar zu, doch der Sammelkarten-Boom liess nach. Ravensburger kündigte an, an Strukturen und Kosten zu arbeiten, inklusive Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich (zuletzt gut 2'500 Mitarbeitende in Ravensburg und im Werk in Tschechien).
Auch Steiff schrieb zuletzt rote Zahlen: Die Beteiligungsgesellschaft erwirtschaftete 2023 mit knapp 1'300 Mitarbeitenden rund 94 Mio. Euro Umsatz (über zwei Drittel davon im Spielzeuggeschäft) bei einem Verlust von gut 416'000 Euro, laut Jahresabschluss vor allem wegen der schwächelnden Automobilzuliefer-Sparte. 2019 hatte der Umsatz noch über 112 Mio. Euro betragen. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.
Einordnung für die Branche
Der Deal passt ins Muster der europäischen Spielwarenbranche, die seit Jahren unter verschärftem Wettbewerb aus Asien und veränderten Spielgewohnheiten konsolidiert. Parallel suchen weitere Hersteller nach Wegen: Die Simba-Dickie-Group (u. a. Märklin, Big/Bobby-Car) übernahm Anfang 2026 eine US-Firma zum Ausbau des internationalen Geschäfts, Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue Zielgruppen.
Quellen: gemeinsame Mitteilung von Ravensburger und Steiff (via dpa); manager magazin (17.06.2026); ergänzende dpa-AFX-Meldungen (t-online, Börsen-Zeitung, FashionNetwork). Beteiligungshöhe (60 %) als nicht offiziell bestätigte Sprecherangabe gekennzeichnet.
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